Standards in der Textilbranche

01 February 2018

Wie viele andere Branchen der Welt, setzt auch die Textilindustrie seit Jahren auf das Instrument der Produktkennzeichnung durch sogenannte Labels, um Verbraucher/innen bestimmte Produkteigenschaften auf einen Blick erkennbar zu machen und die Kaufentscheidung somit zu vereinfachen oder gar zu beeinflussen.

Eine kurze Internet-Recherche hat über 120 weltweit existierende Öko- und Sozial-Textillabel ergeben, hinter denen ein definierter Standard steht. Die Abbildung unten zeigt eine Übersicht über diese 120 weltweit existierenden Textilsiegel, welche von über 100 Organisationen vergeben werden. Diese Übersicht hat selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, im Gegenteil. Sie zeigt aber dennoch mit welcher Flut von Siegeln es die Produzenten, der Handel und besonders der Verbraucher zu tun hat.

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Wenn man vor lauter Labels den Wald nicht mehr sieht

Für Verbraucher ist diese Vielzahl an Labels besonders kritisch. In der Theorie soll ein Label ein gutes Produkt von einem weniger guten unterscheiden. Sollte einem/r Verbraucher/in das Thema Nachhaltigkeit und soziale Standards besonders am Herzen liegen, sollte er/sie mit einem Blick erkennen können, welches Produkt den hohen Ansprüchen genügt und oftmals auch den höheren Preis rechtfertigt. Doch viele Verbraucher/innen sind bei dieser Anzahl von Labels völlig überfordert oder sogar verunsichert. Welches Siegel steht für ökologische Standards? Welches Siegel für soziale Standards? Wie oft werden die Produktionsstätten besichtigt? Und wie unabhängig ist die Überprüfung?

Genau hier liegt ein Hauptproblem der Labels (neben der unglaublich hohen Vielzahl an verschiedenen Siegeln): Es gibt keine allgemeingültige Definition von „Öko-Textilien“ im Hinblick auf deren Umweltfreundlichkeit, Nachhaltigkeit oder Gesundheitsverträglichkeit. Stattdessen gibt es viele verschiedene Öko-Labels, die alle nach unterschiedlichen Kriterien vergeben, unterschiedliche Schwerpunkte haben und daher kaum vergleichbar sind. Das bedeutet, dass sich die Ansätze der aufgeführten Labels und Standards teilweise gravierend in ihrer Zielsetzung unterscheiden.

Herausforderungen für Produzenten und Handel

Generell muss zunächst einmal festgehalten werden, dass Standards in der Textilwirtschaft dringend notwendig sind und absolut befürwortet werden. Die Herausforderungen, die wir hier schildern sind schlichtweg Folge der Vielzahl an Labels, nicht von Standards an sich.

Durch die Vielzahl an Standards und Labels müssen Produzenten und Handelshäuser an mehreren „Fronten kämpfen“. Welches Label ist gerade besonders gefragt? Großkunde A macht die Bestellung abhängig von Label A, Großkunde B jedoch von Label B. Mit welchem Label identifizieren wir uns als Handelshaus am meisten?

Neben diesen mehr strategischen Fragestellungen, die einen enormen Einfluss auf die Auftragsbücher haben können, sind Labels grundsätzlich mit viel Aufwand und hohen Kosten verbunden. Dieses Kosten-Nutzen-Verhältnis muss gründlich abgewogen werden. Dies ist besonders kritisch, wenn man ausgerechnet auf das falsche Pferd gesetzt und sich einem Label angeschlossen hat, das durch Zweifel an der Unabhängigkeit oder der allgemeinen Prüfpraktiken in die Kritik geraten ist.

Unsere Lösung: Das clubkollektion.de Trusted Partner Program

Wie viele andere, besonders junge Unternehmen, steht clubkollektion.de vor der Herausforderung unsere Dienstleistung zertifizieren zu lassen. Nachdem wir uns einen Überblick über die verschiedenen Labels gemacht haben, welche Zielsetzung sie haben, welchen Fokus, und wie die generelle Akzeptanz in der Branche ist, haben wir uns bei diversen Standards beworben. Das Ergebnis war ernüchternd. Entweder sind unsere Umsätze (noch) zu gering, um von Interesse für die Zertifizierer zu sein, oder das Zertifikat ist zu teuer und würde so unsere Umsätze kannibalisieren. In beiden Fällen ist es etwas schwer zu verstehen, warum einem jungen Unternehmen solche Steine in den Weg gelegt werden, wo doch alle gemeinsam an einem großen Ziel arbeiten sollten.

Nach gründlicher Prüfung verschiedener Optionen haben wir uns schlussendlich dazu entschieden, unser eigenes Label einzuführen – das clubkollektion.de Trusted Partner Program. Natürlich sind wir uns bewusst, dass somit ein weiteres Logo in die Übersicht oben aufgenommen werden muss. Dennoch wollen wir diesen Schritt hier kurz erklären.

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Warum machen wir das?

Wie bereits erwähnt, sind Zertifizierungen mit hohem Aufwand verbunden. Die Bewerbung, Dokumentation und regelmäßige Audits verschlingen viel Zeit, hauptsächlich jedoch durch bürokratischen Aufwand. Die gleiche Zeit investieren wir lieber in Besuche und Gespräche mit unseren Zulieferern und Partnern. Hierfür planen wir aktuell unsere eigenen „Audits“ – oder auch Kontrollbesuche bei unseren Zulieferern um uns vor Ort ein Bild zu machen. Aber schon jetzt haben wir enge, persönliche Beziehungen zu unseren Partnern, denen wir vollends vertrauen.

Das Trusted Partner Label soll zudem Kunden mehr Transparenz ermöglichen. Auf einen Blick wird man in Zukunft erkennen können, ob ein Partner bereits seit Jahren mit uns zusammenarbeitet, wie hoch das Auftragsvolumen ist, oder ob der Partner noch weitere Zertifizierungen hat. Unser Geschäftsmodell basiert auf langfristigen und guten Beziehungen zu unseren Kunden, genauso wie zu unseren Partnern. Das Trusted Partner Programm soll auch als Anreiz dienen, dass sowohl wir, als auch unsere Partner aktiv an einer langfristigen Partnerschaft arbeiten – denn das goldene Siegel sollte das Ziel sein.

Durch die Einführung unseres eigenen Labels sparen wir zudem Kosten – bzw. wir setzen das gleiche Geld gezielter ein. Anstatt das Geld für den enormen bürokratischen Aufwand auszugeben, investieren wir es lieber in Beziehungen – sprich in Transportkosten, um uns vor Ort bei unseren Partnern einen Eindruck zu vermitteln.
Seht Ihr also in Zukunft ein Trusted Partner Label in Bronze, Silber oder Gold, könnt Ihr Euch sicher sein, dass wir dem Partner vollends vertrauen und wir langfristig zusammenarbeiten wollen.
Falls Ihr noch Fragen oder Anregungen zu dem Thema habt, schreibt uns einfach an! Wir freuen uns, von Euch zu hören.

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